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Jahresbericht 2022


Cover Jahresbericht 2022 sozialwerk.LGBT+
Cover Jahresbericht 2022 sozialwerk.LGBT+




Nino Freuler, Präsidiales sozialwerk.LGBT+ für queeres Leben
Nino Freuler, Präsidiales sozialwerk.LGBT+ für queeres Leben

Grussworte

Das Jahr 2022 hat uns allen gezeigt, weshalb auch nach der Ehe für "Alle" queere Vereine und Queeraktivismus notwendig sind. Auf nationaler Ebene besteht mit dem Bericht zur psychischen

Gesundheit queerer Menschen in der Schweiz nun erstmals eine solide Grundlage für die Argumente, welche Schweizer Queeraktivisten bereits längst kannten. Leider zeigt sich ein düsteres Bild von Diskriminierungserfahrungen, Gewalt und psychischer Krankheit. Vor allem bei trans und nichtbinären jungen Menschen ist auch die Suizidgefahr stark erhöht. Angesichts dieser Tatsachen ist der Entscheid des Bundesrates gegen die Einführung eines dritten Geschlechts sehr enttäuschend und nicht nachzuvollziehen, da dies die gelebte Realität vieler Menschen in der Schweiz nicht wiedergibt und erhebliches Leid auslöst.


Auf kantonaler Ebene hat mit dem Kanton St. Gallen zwar einer unserer Standortkantone das Verbot von Konversionsmassnahmen erfreulicherweise angenommen, in Graubünden bleiben solche Massnahmen aber leider immer noch zulässig. Auch dies zeigt klar, dass die Anliegen junger queerer Menschen in Graubünden noch immer zu wenig gehört werden.


Was die Arbeit der Luzerner Hochschule aber auch klar zeigt: nicht die sexuelle Orientierung oder die Geschlechteridentität an sich führt zu einer grösseren psychischen Belastung, sondern der negative Umgang und die ablehnenden Reaktionen aus der Gesellschaft und dem Umfeld können zu solchen Gefühlen führen. Als Verein ist für uns daher klar, was wir im kommenden Jahr tun müssen: füreinander und für queere Menschen allgemein da sein, offen und aufklärend in der Gesellschaft auftreten und der Ablehnung und Diskriminierung mit Geduld und Fakten entgegentreten.


In diesem Sinne wünsche ich viel Geduld und Kraft für die Arbeit, die noch vor uns liegt.


Nino Freuler, Präsidiales

sozialwerk.LGBT+ für queeres Leben


Regenbogenflagge, vertikal gestreift, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Lila
Regenbogenflagge, vertikal gestreift, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Lila

Bedeutung der Farben


Die Farben der Regenbogenflagge haben eine Bedeutung: Rot steht für das Leben, Orange für Heilung, Gelb für die Sonne, Grün für Natur, Blau für Harmonie und Lila für Geist & Spiritualität. Die auf dem Cover abgebildete Regenbogenflagge ist die Progress-Pride-Flag. Sie macht darauf Aufmerksam, dass nicht alle queeren Menschen weiss sind und will trans neben lesbisch, schwul und bi sichtbarer machen.








Herzsymbol in Rot
Herzsymbol in Rot

Tausend Dank

  • unseren Unterstützenden - ohne euch ist unsere Arbeit nicht möglich!

  • allen Kindern & Jugendlichen, welche unsere Angebote nutzen - ihr seid richtig, ihr seid gut, ihr seid sehr, sehr stark!

  • all' den Tränen, die wir weinen - aus Glück & Freude, aber auch denen aus Furcht, Angst, Wut - ihr sorgt dafür, dass es uns besser geht!

  • unseren Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden. Ihr macht ganz tolle Arbeit!

  • an unsere Geldgebenden und Spendenden. Ein grosses DANKESCHÖN, denn ohne eure finanzielle Unterstützung wären wir nur halb so bunt, wild, queer.

  • all den Menschen mit denen wir streiten, den vielen Menschen die uns begleiten und allen, die sich mit uns für eine bessere, buntere und queere Welt einsetzen!


Rückblick und Ausblick

2022 hat sich der Verein sozialwerk.LGBT+ für queeres Leben weiterhin einen Namen als erste Anbieter*in offener Kinder- & Jugendarbeit mit queerem Schwerpunkt gemacht. Uns ist es wichtig, die individuellen Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen bei unseren Jugendangeboten zu beachten: Aus welchen sozialen Verhältnissen kommen die jungen Menschen? Spielen Wohnort, Migration, Herkunft, Elternhaus, Behinderung, Hautfarbe, Gender und viele mehr eine Rolle? Aber warum machen wir überhaupt Jugendarbeit für queere Jugendliche? Unsere Idee ist es, durch attraktive Angebote queere Menschen in der Region zu halten. Und wir sehen, dass unsere Arbeit Wirkung zeigt! So engagieren sich immer mehr junge LGBTIAQ+ Personen in den Regionen, wo wir tätig sind, für LGBTIAQ+ Themen.


Was auf uns zukommt ist ein Neues Jahr mit neuen Ange-boten. Wir wollen mehr in den Sektor Kulturangebote vorstossen und somit weitere Aspekte von queerem Leben einer breiten Öffentlichkeit in den Regionen, in denen wir tätig sind, zeigen. Ebenso wollen wir unser Projekt "queer macht Schule" weiter ausbauen. Und zum Schluss freuen wir uns auf einen Prozess der Professionalisierung im Be-reich Vereinsstrukturen, Vereinsentwicklung und Finanzen, welchen die Stiftung Mercator bei uns angestossen hat.

 

Jahresrechnung 2022

Budgetplan 2022

Jahresrechnung 2022

Aufwand

CHF 107’400.00

CHF 144’029.23


Budgetplan 2022

Jahresrechnung 2022

Räume

treff.LGBT+ Chur

CHF 17'400

CHF 17’962.74

treff.LGBT+ Buchs

CHF 0.00

CHF 5’413.10

Personalaufwand

Löhne

CHF 53’000.00

CHF 79'313.30

Lohnnebenkosten

CHF 5’200.00

CHF 8’068.80

Reisekosten

CHF 2’000.00

CHF 1’333.90

Weiterbildungskosten

CHF 2’000.00

CHF 2’483.06

Supervision

CHF 0.00

CHF 810.00

Projektkosten

Whatever

CHF 500.00

CHF 0.00

IDAHOBIT

CHF 1’000.00

CHF 1’177.71

Coming Out Day

CHF 1’000.00

CHF 892.55

Pride Liechtenstein

CHF 0.00

CHF 71.11

Pride Zürich

CHF 2’000.00

CHF 740.05

weitere Öffentlichkeitsarbeit

CHF 2’500.00

CHF 1’029.64

Regenbogensteine

CHF 0.00

CHF 688.90

treff.LGBT+ unterwegs

CHF 4’200.00

CHF 0.00

Bildungsprojekte

CHF 10’000.00

CHF 157.15

Bindersammlung

CHF 0.00

CHF 889.07

Administrationsaufwand

Telefon und Internet

CHF 500.00

CHF 533.64

Social Media & Internetpräsenz

CHF 750.00

CHF 202.61

EDV, Lizenzen

CHF 1’750.00

CHF 90.00

Versicherungen

CHF 1’200.00

CHF 756.40​

Beiträge an Dachorganisationen

CHF 1’200.00

CHF 1’140.00

sonstiges

CHF 1’200.00

CHF 1’437.15



Budgetplan 2022

Jahresrechnung 2022

Übriger Betriebsaufwand

CHF 6’763.46

Aufbau einer Reserve

​​​CHF 12’074.89



Budgetplan 2022

Jahresrechnung 2022

Ertragsseite

CHF 61’000.00

CHF 144’029.23


Budgetplan 2022

Jahresrechnung 2022

Stadt Chur

CHF 3’000.00

CHF 3’000.00

Kanton Graubünden

CHF 3’000.00

CHF 3’000.00

Spende von Privaten

CHF 15’000.00

CHF 57’915.75

Firmen

CHF 10’000.00

CHF 16’105.23

Stiftungen

CHF 10’000.00

CHF 45’493.36

Defizitgarantie von Privat

CHF 20’000.00

CHF 0.00

Projektförderungen

CHF 0.00

CHF 16’940.80

Vereinsmitmenschen-beitrag

CHF 0.00

CHF 1’574.09


Budgetplan 2022

Jahresrechnung 2022

Total Gewinn / Verlust


CHF 0.00

CHF 0.00


 

Statistik

Beschreibung folgt nach der Bildbeschreibung
Grafiken und Vergleichen aus dem Jahresbericht 2022

Bild als Text dargestellt:

5782 Stunden für queeres Leben wurden geleistet. Das sind die Stunden, die der Vorstand (2184 Stunden), ehrenamtliche Mitarbeitende (2000 Stunden) und hauptamtlich Mitarbeitende (1600 Stunden) zusammen im Jahr 2022 geleistet haben.


Von den 5782 Stunden entfielen 3543 Stunden auf Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung, Fortbildungen, Vorbereitungszeit & Verwaltung, 1408 Stunden auf Beratungen & queere Gruppenangebote und 833 Stunden auf die Öffnungszeiten der treff.LGBT+ queere Jugendzentren.


Zum Vergleich: Ein Jahr hat 8760 Stunden.


207 Tage wurden queere Angebote wie z.B. Stammtische, Gruppen und die Öffnung der Jugendzentren ermöglicht. Zum Vergleich: Ein Jahr hat 365 Tage.


Wir begleiten 104 Personen, dies sind Personen, welche unsere Beratungen und Angebote wiederkehrend besuchen. 60 Personen sind Jugendlichen aus dem queeren Jugendzentrum Chur, 8 Personen sind Jugendliche aus dem queeren Jugendzentrum Buchs und 36 Personen begleiten wir aus allen anderen Angeboten.


Wir hatten 2563 Kontakte wovon 60% im Kontext queeres Jugendzentrum Chur (1522), 22% Erwachsene in den Angeboten in Chur (569), 11% Erwachsene in den Angeboten in Buchs (268) und 8% im Kontext des queeren Jugendzentrum Buchs (204), welches erst seit Mai 2022 geöffnet hat, stattgefunden haben.


1324 Beratungen zu queeren Leben wurden geführt, davon entfallen 76% auf die Jugendangebote treff.LGBT+ (1034), 15% auf die Angebote für Erwachsene (182) und 9% auf Fachstellen (108).


Demografie: Die jüngsten Besuchenden unserer Angebote sind 12 Jahre alt, die ältesten 80 Jahre alt. Die meisten Besuchenden sind zwischen 15 und 19 Jahre alt. Lücken gibt es im Altersbereich von 46 bis 54 Jahre, 58 bis 61 Jahre, 62 bis 64 Jahre und 66 bis 79 Jahre.

Ende der Textdarstellung zum Bild.

 

Beratungen

werden in allen unseren Arbeitsfeldern treff.LGBT+ offene Kinder- & Jugendarbeit mit LGBTIAQ+ Schwer-punkt, Angebote ohne Altersgrenzen und Beratung getätigt und erfasst. Dabei unterscheiden wir zwischen Beratungen kürzer 20 Minuten und länger 20 Minuten.

77% unserer Beratungen liegen unter 20 Minuten. 33% unserer Beratungen über 20 Minuten.


Beratungsthemen im Bereich treff.LGBT+ queere Jugendberatung:

10.9% Coming Out

4.0% Mobbing/Bullying

3.9% Depressionen

15.3% Liebe & Partnerschaft

12.2% Freundschaft

3.3% Suizidabsichten

11.5% Elternhaus

5.3% Gewalterfahrungen

11.8% Schule, Ausbildung, Beruf

2.4% Sexuelle Übergriffe/Vergewaltigung

2.5% Gesundheit / Medizin

16.8% sonstige Themen


Unsere Beratenden können ihre Beratungen zu folgenden Themen aufschlüsseln und in einem Freifeld spezifizieren oder anderen Themen zuordnen: Coming Out, Mobbing/Bullying, Depression, Liebe & Partnerschaft, Transition, Freundschaft, Suizidabsichten, Elternhaus, Gewalterfahrungen, Gewaltbereitschaft, Suchtmittel, STI/HIV, Schule/Ausbildung/Beruf, sexueller Übergriff/Vergewaltigung. Durch die Freifelderfassung ist aufgefallen, dass Gesundheit/Medizin ebenfalls wichtige Themen sind.


Fast alle Jugendlichen haben mit den gleichen Herausforderungen im täglichen Leben zu tun. Daher verwundert es nicht, dass auch unsere Beratungen häufig mit den gleichen Themen zu tun haben, wie sie in der cis oder hetero Jugendberatung vorkommen. Doch durch die Microagressionen, welche queere Menschen ausgesetzt sind, besteht ein höherer Beratungsbedarf auch in anderen Themenfeldern, welche auf dem ersten Blick nichts mit der sexuellen oder romantischen Orientierung oder dem Gender zu tun haben.


Die Themenbereiche Mobbing / Bullying, Depressionen, Suizidabsichten, Gewalterfahrungen, sexuelle Übergriffe / Vergewaltigung und Gesundheit / Medizin bereiten uns besonders Sorgen bzw. erschrecken uns. Mobbing und Bulling sind in Schulen, in der Ausbildung oder am Arbeitsort für queere Menschen immer noch an der Tagesordnung. Dies führt häufig auch zu Depressionen und Suizidabsichten, da sich gerade junge queere Menschen ohne ein Outing nicht wehren können. Gleiches gilt für Gewalterfahrungen, welche nicht selten auch in der obligatorischen Schule gemacht werden.


Aber auch im Elternhaus und der eigenen Wohnung erfahren junge queere Menschen verbale, psychische und körperliche Gewalt. In diesen Fällen wurden von uns die lokalen Player wie Gemeinde Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und KESB involviert. In drei Fällen haben wir Gefährdungsmeldungen machen müssen.


Leider hatten wir auch mit sexuellen Übergriffen / Vergewaltigung zu tun. Oft scheint es, wird dieses Thema, wenn es um queere Menschen geht, überhaupt nicht ernst genommen und sogar von Personen der Strafverfolgung bagatellisiert. Dies erschreckt uns sehr, da in solchen Fällen die Opfer auf die Hilfe von Polizei und Justiz angewiesen sind!


Zwei Jugendliche haben wir zu Ärzt*innen begleitet, eine jugendliche Person zur Psychotherapeut*in. Die jungen Menschen hatten nicht den Mut, über ihre Probleme (medizinischen/psychologischen) zusammen mit ihrem queersein zu sprechen und nutzten uns als Sprachrohr. Für sie kam die Begleitung durch ihre Eltern nicht in Frage, da ihre Eltern leider auch die medizinischen oder psychologischen Situationen nicht ernst nehmen.

 

Auch über alle Angebote hinweg machen uns die Themen Mobbing / Bullying, Depressionen, Suizidabsichten, Gewalterfahrungen, sexuelle Übergriffe / Vergewaltigung und Gesundheit / Medizin Sorgen.


Beratungsthemen über alle Angebote hinweg:

8.5% Coming Out

3.5% Mobbing/Bullying

3.9% Depressionen

13% Liebe & Partnerschaft

11.1% Freundschaft

2.9% Suizidabsichten

10.0% Elternhaus

7.6% Gewalterfahrungen

10.2% Schule, Ausbildung, Beruf

2.1% Sexuelle Übergriffe/Vergewaltigung

2.1% Gesundheit / Medizin

25.1% sonstige Themen



Übergriffe / Hate Crime

2022 haben wir 21 Übergriffe auf queere Menschen dokumentiert. Davon 9 in Buchs SG, 2 in Graubünden (ohne Chur), 8 in Chur GR und 2 online. Davon waren 6 mit körperlicher Gewalt.
2022 haben wir 21 Übergriffe auf queere Menschen dokumentiert. Davon 9 in Buchs SG, 2 in Graubünden (ohne Chur), 8 in Chur GR und 2 online. Davon waren 6 mit körperlicher Gewalt.

Alle Übergriffe haben wir an die LGBTQ-Helpline weitergeleitet. Leider scheuen viele Opfer davor, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Sie haben Angst, dass sie nicht ernst genommenoderihre Aussagen bagatellisiert werden. Oft wussten sie ebenfalls nicht, dass sie sich mit ihren Erlebnissen an die Opferberatung und Polizei wenden können.


queere Bildungsarbeit

Insgesamt haben wir elf Weiterbildungen (Schule Flims, Bündner Kantonsschule Chur, Jugendhaus Stadt Winterthur, Kebab plus, Pfadi Kt. St. Gallen, biz Kt. Zürich, KKJ Tagung [Kinder- und Jugendkommission des Bundes], PDGR u.w.) zum Thema romantische, sexuelle und ge-schlechtliche Vielfalt mit Total 700 Teilnehmenden durchgeführt. Ebenfalls waren wir mit unserem Info- und Bildungsstand am Diakonietag Kt. Graubünden und Buchserfest vertreten, wo sich ca. 70 Personen zu queeren Themen informierten.


Weiterbildung

Zu unserer Arbeit gehört, dass wir uns ständig weiterbilden. 2022 haben unsere Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Vorstände ca. 200 Stunden Weiterbildung besucht mit den Themen: Sexualpädagogik, LGBTIAQ+ Diskriminierung, Rassismus, Erste Hilfe in der offenen Kinder- & Jugendarbeit, Gestaltung und Arbeit in Jugendräumen, Genderkonstruktion, LGBTIAQ+ Bildungsarbeit, psychosoziale Beratung, Vereinsmanagement.


Vernetzung

Im Jahr 2022 waren wir Teil der kantonalen Vernetzung der Jugendarbeit Graubünden in diversen Fach- und Arbeitsgruppen und auf nationaler Ebene der DOJ FG queer und FG gendergerechte OKJA. Ausserdem nahmen wir an der GeSo Chur und den Treffen von GR.digital teil. Darüber hinaus sind unsere Mitarbeitenden und Vorstände gut vernetzt mit anderen wichtigen Partner*innen aus Politik, Sozialem und Wirtschaft (z.B. Avenir Social, Gewerkschaftsbund, SP, FDP, Grüne, Bosch, Microsoft, Inter Alliance Schweiz).


 

Budgets 2023 & 2024

Budgetvorschlag

2023

2024

Aufwandsseite

CHF 205’100.00

CHF 238’900.00


Budgetvorschlag

2023

2024

Räume

treff.LGBT+ Chur

CHF 18'000.00

CHF 18'000.00

treff.LGBT+ Buchs

CHF 18'000.00

CHF 18'000.00

Personalaufwand

Löhne

CHF 88'000.00

CHF 124'000.00

Lohnnebenkosten

CHF 8'800.00

CHF 11'000.00

Reisekosten

CHF 2'000.00

CHF 2'000.00

Weiterbildungskosten

CHF 3'500.00

CHF 4'000.00

Supervision

CHF 5'000.00

CHF 5'000.00

Projektkosten

Oranisations-entwicklung

CHF 20'000 CHF

CHF 10'000.00


IDAHOBIT

CHF 4'200.00

CHF 4'200.00

Coming Out Day

CHE 1'000.00

CHF 1'000.00

Pride Chur

CHF 0.00

CHF 1'000.00

Pride St. Gallen

CHF 500.00

CHF 1'000.00

Pride Zürich

CHF 1'000.00

CHF 1'000.00

weitere Öffentlichkeitsarbeit

CHF 3'500.00

CHF 3'500.00

Regenbogensteine

CHF 500.00

CHF 500.00

treff.LGBT+ unterwegs

CHF 0.00

CHF 1'500.00

Bildungsprojekte

CHF 1'000.00

CHF 1'000.00

Bindersammlung

​CHF 300.00

CHF 300.00

Administrations-aufwand

Telefon & Internet

CHF 1'000.00

CHF 1'000.00

Social Media & Internetpräsenz

CHF 1'000.00

CHF 1'000.00

EDV & Lizenzen

CHF 1'000.00

CHF 1'000.00


Versicherungen

CHF 1'800.00

CHF 1'800.00

Beiträge Dachorganisationen

CHF 1'500.00

CHF 1'500.00

sonstiges

CHF 1'500.00

CHF 1'500.00


Budgetvorschlag

2023

2024

Aufbau einer Reseve

CHF 22'000.00

CHF 24'000.00


Budgetvorschlag

2023

2024

Ertrag

CHF 205'100.00

CHF 238'900.00


Budgetvorschlag

2023

2024

Stadt Chur

CHF 5'000.00

CHF 5'000.00

Kt. Graubünden

CHF 5'000.00

CHF 5'000.00

Spenden von Privat

CHF 60'000.00

CHF 65'000.00

Firmen

CHF 22'000.00

CHF 36'000.00

Stiftungen

CHF 61'300.00

CHF 80'000.00

Defizitgarantie von Privat

CHF 20'000.00

ausgelaufen

Kt. St. Gallen

CHF 9'400.00

CHF 9'400.00


Projektförderungen

CHF 20'000.00

CHF 35'000.00

Mitmenschenbeitrag

CHF 2'400.00

CHF 3'000.00


Budgetvorschlag

2023

2024

Total Gewinn/Verlust

CHF 0.00

CHF 0.00


 

Das Laster mit den cis-heterosexuellen Privilegien

Heterosexuelle bzw. cis Privilegien sind ein weit verbreitetes & vielschichtiges Phänomen, das sich auf viele Bereiche des Lebens von LGBTIAQ+, oder kurz „queeren“ Menschen auswirkt.


Aber was sind „heterosexuelle, cis Privilegien“ und warum ist es wichtig, sich damit auseinander zu setzen und zu akzeptieren, dass es sie real gibt?


Heterosexuelle, cis Privilegien beziehen sich auf die Vorteile, die die Gesellschaft Menschen gewährt, die sich als heterosexuell und cis identifizieren. Zu diesen Vorteilen gehört, dass man aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität keine Diskriminierung, Gewalt oder Belästigung befürchten muss. Darüber hinaus geniessen cis Heterosexuelle eben Privilegien in Bezug auf Schule, berufliche Gleichstellung, Freizeitgestaltung, Familiengründung, Zugang zum Gesundheitswesen gene-rell zu anderen Dienstleistungen und so weiter.


Im Gegensatz dazu sind queere Menschen in vielen Lebensbereichen weiterhin tagtäglich mit Diskriminierung und Ausgrenzung konfrontiert. Dazu gehören beispielsweise Schwierigkeiten in der Schule, bei der Arbeits- und Wohnungssuche sowie der immer noch unzureichende rechtliche Schutz vor Diskriminierung.


Ein sehr konkretes Beispiel für ein cis, heterosexuelles Privileg ist die Möglichkeit, händchenhaltend Zuneigung oder Liebe in der Öffentlichkeit offen und ohne Scham auszudrücken. Ohne Angst vor Diskriminierung oder Belästigung, vor Beschimpfung und Verspottung, Gewalt oder gar vor strafrechtlicher Verfolgung bis zur Todesstrafe, welche eben queeren Menschen drohen und tagtäglich widerfahren. „Todesstrafe“? Ja, es gibt immer noch viele Länder auf der Welt, in denen queere Menschen aufgrund ihrer Sexualität mit dem Tod bestraft werden.


Ein weiteres Beispiel für das Privileg von cis-Heterosex-ualität ist die Möglichkeit, in den Medien problemlos dargestellt zu werden. Cis-heterosexuelle Beziehungen und Personen werden häufig in Filmen, Fernsehsendungen und anderen Medien dargestellt, während queeren Menschen nach wie vor unterrepräsentiert sind und oft auf stereotype oder negative Weise dargestellt werden. Diese mangelnde Darstellung kann es queeren Menschen erschweren, sich in der Welt um sie herum wiederzuspiegeln und kann zu Gefühlen der Isolation und Ausgrenzung beitragen. Das spiegelt sich bereits im Schulalltag unserer Kinder- und Jugendlichen wider. Mobbing, Bulling etc. sind und bleiben an der Tagesordnung.


Darüber hinaus verfügen immer noch viele Schulen, Institutionen und Unternehmen nicht über Richtlinien zum Schutz von queeren Menschen vor Diskriminierung, an manchen Orten ist es gar legal, jemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität zu diskriminieren. Dies kann es für queeren Menschen schwierig machen, sich in der Schule oder am Ausbildungsplatz wohlzufühlen, überhaupt einen Arbeitsplatz zu finden und zu behalten. Es kann sogar zu einem Mangel an wirtschaftlicher Sicherheit beitragen.


Es ist bekannt, dass viele soziale Einrichtungen und Dienste, wie Schulen, religiöse Organisationen und Gesundheitsdienstleister, queere Menschen nicht in vollem Umfang einbeziehen oder willkommen heissen, was es ihnen abermals erschweren kann, die erforderliche und unprivilegierte Unterstützung zu erhalten.


Wichtig zu erwähnen ist, dass Menschen, die sich als LGBTIAQ+ identifizieren, auch ihre eigenen Privilegien haben können. Ein Beispiel dafür ist, dass einige von ihnen nicht der gleichen Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Klasse ausgesetzt sind wie diejenigen, die dann zusätzlich noch zu weiteren marginalisierten Gruppen innerhalb der LGBTIAQ+-Gemeinschaft gehören.


Tupoka Ogette beschreibt in ihrem Buch exit RACISM einen Ort „Happyland“, also einen Ort, wo weisse Menschen leben, bevor sie sich aktiv und bewusst mit Rassi-smus beschäftigen.“ Dieses Happyland ist auch bei uns gegenwärtig und auf Diskriminierung ähnlich anwendbar, wie auf den vor ihr im Buch beschriebenen Rassismus. Sie schreibt: “Happyland ist eine Welt, in der Rassismus das Vergehen der Anderen ist.“


Im Bezug auf queere Menschen abgeleitet bedeutet dies: Diskriminierend sind also die Anderen, niemals man selbst. Wir leben an einem ein Ort, wo Menschen verletzt und entwürdigt werden, wo Menschen ihre Privilegien auf Kosten anderer geniessen. Bewusst oder unbewusst.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das cis, heterosexuellen Privileg auf die unverdienten Leistungen und Vorteile bezieht, die die Gesellschaft Personen gewährt, die sich als cis-heterosexuell identifizieren. Diese Vorteile können Dinge wie die Möglichkeit, Liebe offen auszudrücken, die Darstellung in den Medien, rechtlichen Schutz und gleiche Rechte sowie den Zugang zu Beschäftigung und anderen Ressourcen umfassen. Es ist wichtig anzuerkennen, dass Privilegien nicht etwas sind, das der Einzelne kontrollieren oder ändern kann, sondern vielmehr das Ergebnis gesellschaftlicher Vorurteile und Diskriminierung sind. Das Erkennen und Anerkennen von Privilegien generell ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gleichberechtigteren und inklusiveren Gesellschaft für alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlecht.


Um also eine wirkliche und reale inklusive Gesellschaft zu schaffen, müssen wir daran arbeiten Systeme der Privilegierung und Diskriminierung abzubauen und uns aktiv für eine gerechtere und gleichberechtigte Welt für alle Menschen einsetzen. Dazu gehört, dass wir uns über Privilegien informieren, dass wir den Stimmen der Ausgegrenzten zuhören und ihnen Gehör verschaffen, dass wir etwas unternehmen, um in unserem eigenen Leben und in unseren Gemeinschaften Veränderungen herbeizuführen. Eigenverantwortlich und mit festem Willen.


Tupoka Ogette, exit RACISM – rassismuskritisch denken lernen, UNRAST Verlag, 10. Auflage, Münster 2021

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